Wohnst du noch oder studierst du schon?
Jana, Thursday, 31. July 2008Eine kürzlich veröffentlichte Sonderauswertung des Studentenwerks informiert über die soziale und wirtschaftliche Lage der Studierenden in Baden-Württemberg. Ein zentrales Thema ist dabei deren „Wohnsituation“. Neben statistischen Erhebungen – von Mietpreis bis Bedarfsdeckung - wurden auch die Wohnwünsche und Wohnzufriedenheit der Studierenden im Land untersucht.
Die komplette Studie gibt es im Internet über die Seite des Studentenwerks Heidelberg:
http://www.studentenwerk.uni-heidelberg.de/download/pdf/wir-sozialerhebung-bw.pdf
Die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks informiert seit 1951 im dreijährigen Rhythmus über die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in ganz Deutschland. Als Datengrundlage dient jeweils die schriftliche Befragung einer repräsentativen Stichprobe der Studierenden an den deutschen Hochschulen zu zentralen Bereichen des studentischen Lebens. Die letzte Befragung wurde im SS 2006 durchgeführt und im Rahmen der 18. Sozialhebung des Deutschen Studentenwerks präsentiert. Die Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Studentenwerke veröffentlichte nun dazu eine Sonderauswertung, die speziell über die Situation in Baden-Württemberg informiert.
Studierende nach der Wohnform
Bei den Eltern 26 %
Wohnheim 14 %
Untermiete 03 %
WG 27 %
Wohnung allein 17 %
Wohnung mit Partner/in 14 %
Wohnklo mit Kochgelegenheit oder doch lieber das heimische Kinderzimmer… die Wohnformen der Studierenden in Baden-Württemberg sind breit gefächert. Als mögliche Gründe werden das geringe Durchschnittsalter der Studierenden im Land sowie das hohe Mietpreisniveau (Heidelberg, Stuttgart, Konstanz und Freiburg zählen lauft F+B Mietspiegelindex 2008 zu den teuersten Städten Deutschlands) angeführt.
Wohnformen im Ländervergleich
26 % der Studierenden in Baden-Württemberg leben noch bei den Eltern. Lediglich in NRW (27 %), Hessen (30 %) und im Saarland (40 %) haben mehr Studenten das Elternhaus nicht verlassen. Auch bei der Anzahl der Studierenden die einen Wohnheimsplatz erhalten haben liegt Baden-Württemberg mit 14 % auf dem 4. Platz im Ländervergleich und mit einem Anteil von 27 % bei den Wohngemeinschaften im oberen Mittelfeld. Obwohl die eigene Wohnung mit 31 % (zusammengefasst allein 17 % und mit Partner/in 14 %) die häufigste Wohnform in Baden-Württemberg ist, mieten in allen anderen Bundesländern außer Thüringen (Ebenfalls 31 %, allerdings 13 % allein, 18 % mit Partner/in) mehr Studierende eine eigene Wohnung (vor allem mehr zusammen mit Partner/in), beim Spitzenreiter Berlin sogar insgesamt 53 % (28 % allein, 25 % mit Partner/in).
Während zu Beginn der Sozialerhebung in den 50iger Jahren noch ein Großteil der Studierenden zur Untermiete wohnte, ist diese Wohnform heute nahezu vollständig zurückgedrängt (0 – 3 %). Lediglich Baden-Württemberg und Niedersachen kommen noch auf jeweils 3 %.
Das Wohnheimangebot
Obwohl Baden-Württemberg eine vergleichsweise hohe Anzahl vom Wohnheimszimmer bietet (14 % der Studenten wohnen in Wohnheimen), ist immer wieder festzustellen, dass noch lange keine Bedarfsdeckung erreicht sein wird und die Bewerbungen weiterhin jedes Semester die Zahl der frei werdenden Zimmer weit übertreffen.
Die zur Verfügung stehenden Plätze teilen sich in Baden-Württemberg wie folgt auf:
Einzelzimmer in Wohngruppe 64 % Bundesgebiet (47 %)
Einzelzimmer 28 % (28 %)
Zweibettzimmer 00 % (01 %)
Einzelappartment 05 % (20 %)
Mehrzimmerwohnung 02 % (04 %)
Mietausgaben
Die Ausgaben für die Miete machen den größten Ausgabenposten der Studierenden aus. Bezogen auf alle Studierenden mit Mietabgaben (also einschließlich deren in postgradualen Studiengängen) lag die durchschnittliche Miete zum Zeitpunkt der Befragung im SS 2006 bei 276 ¤ pro Monat. Der Betrag dürfte inzwischen nochmals entsprechend gestiegen sein.
15 % der Studierenden zahlen eine Miete von über 350 ¤ pro Monat, 12 % zahlen zwischen 300 ¤ und 350 ¤, jeweils ein gutes Viertel der Studierenden kommen auf Mietausgaben von 250-300 ¤ bzw. 200-250 ¤. 22 % der Studierenden zahlen eine Miete von 200 ¤ oder weniger.
Monatliche Ausgaben für Miete einschl. Nebenkosten nach Wohnform
Wohnheim 210 ¤
Untermiete 248 ¤
Wohngemeinschaft 258 ¤
Wohnung allein 327 ¤
Wohnung mit Partner/in 331 ¤
Die monatliche Miete schwankt natürlich erheblich je nach gewählter Wohnform. So kostet eine eigene Wohnung im Vergleich zu einem Wohnheimszimmer durchschnittlich mehr als das 1,5 fache. Im Vergleich zur letzten Befragung im Jahre 2003 sind die Kosten für Wohnheimszimmer und Untermietverhältnisse überproportional um gut 10 % gestiegen, in Heidelberg vor allem aufgrund höherer Energiekosten und/oder verbesserter Wohnqualität durch Sanierungsmaßnahmen.
BAföG-Geförderte und Nicht-Geförderte nach der Wohnform
Da die Kosten der einzelnen Wohnformen teils stark variieren, überrascht es nicht, dass sich Unterschiede zwischen der Wohnform BAföG-Geförderter und Nicht-Geförderter zeigen.
So wohnen Bafögempfänger in Baden-Württemberg fast doppelt so häufig wie ihre Kommilitonen im Wohnheim oder zur Untermiete (21 % zu 12 % und 4 % zu 2 %) und vermehrt in Wohngemeinschaften (33 % zu 26 %). Auch mieten Geförderte etwas seltener eine eigene Wohnung (29 % gegenüber 31 % der Nicht-Geförderten). Auffallend in der Sonderauswertung für Baden-Württemberg ist, dass 29 % der Nicht-Geförderten aber nur 13 % der Geförderten bei den Eltern wohnen. Bundesweit leben dagegen Studierende geringerer sozialer Herkunft gegenüber ihren Kommilitonen gehobener sozialer Herkunft dagegen sogar häufiger bei den Eltern. Da zudem nur 19 % der in Baden-Württemberg Studierenden BAföG erhalten, während die Gefördertenquote im Bundesdurchschnitt 32,8 % beträgt, liegt nahe, dass nicht nur die in Baden-Württemberg Studierenden, sondern vor allem auch die aus Baden-Württemberg stammenden Studenten deutlich seltener BAföG erhalten, ja aber nur diese aus Region stammenden Studierenden bei den Eltern wohnen können.
Wohnwünsche
„Wo würden Sie am liebsten wohnen?“ Insgesamt wünscht sich nahezu jeder Zweite der baden-württembergischen Studierenden eine eigene Wohnung, allein oder zusammen mit ihrem/seiner Partner/in und gut ein Drittel würde gerne in einer Wohngemeinschaft leben.
Je nachdem in welcher Wohnform der/die Befragte derzeit lebt, weichen seine/ihre Wünsche aber zum Teil erheblich von diesen Durchschnittwerten ab. So würden 74 % der Befragten die derzeit in einer WG leben auch zukünftig gerne diese Wohnform wählen, nur 14 % unter ihnen wünschen sich eine eigene Wohnung allein, 7 % eine mit Partner/in. Und nur 1 % unter ihnen würde gerne bei den Eltern leben, während im Gesamtdurchschnitt aller Befragten 10 % angaben, bevorzugt zu Hause wohnen zu wollen.
Die Befragten, die im SS 2006 in einem Studentenwohnheim wohnten wünschen sich als Wohnform:
Untermiete 2 %
Eltern 4 %
Wohnheim 48 %
Wohngemeinschaft 23 %
Wohnung allein 13 %
Wohnung mit Partner/in 11 %
Ob ein Studierender gerne im Wohnheim wohnen möchte, hängt natürlich auch von der angebotenen Zimmerart und –ausstattung ab. Vor allem der Bedarf an Einzelappartments ist groß. Tatsächlich bewohnt werden sie derzeit von etwa 5 % der Heimbewohner, gewünscht werden sie aber von gut 20 % der Bewerber.
Vergleicht man die tatsächliche Wohnform mit der gewünschten wird deutlich, dass die Studierenden vermehrt in WGs und vor allem eigene Wohnungen ziehen würden, wenn sie könnten.
Zufriedenheit mit der Wohnsituation
Die Zufriedenheit mit der Wohnsituation hängt ebenso wie die Wohnwünsche stark mit der jeweiligen Wohnform zusammen.
Im Allgemeinen am zufriedensten sind mit 70 % die Bewohner einer eigenen Wohnung, dicht gefolgt (69%) von den Bewohnern einer Wohngemeinschaft. Wohnheimsbewohner sind im Allgemeinen nur zu 50 % zufrieden mit ihrer Wohnsituation. Während die Entfernung zur Hochschule zu 69 % und die Wohngegend zu 64 % zufrieden stellend bewertet wurden, fand der Mietpreis nur eine Zustimmung von 49 % und die Größe des Wohnbereichs wurde mit nur 40 % Zustimmung eher negativ bewertet. Das Nachbarschaftsverhältnis im Wohnheim war für 53 % der Befragten zufrieden stellend. Zumindest das sollte sich doch leicht verbessern lassen!